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Noruz- viele Jahrhunderte alt mit Hunderten von Bräuchen

Das alte Jahr ist mit seinem kalten traurigen Winter fortgegangen und die strahlende Frühlingssonne mit ihrer angenehmen Wärme eingetroffen.  Die Natur feiert ihr prächtiges Fest anlässlich des Frühlingsbeginns.  Die Bäume und Pflanzen beginnen zu sprießen. Die Menschen räumen das  trockene Gestrüpp weg. Sie  scheinen nicht hinter der Natur zurückbleiben zu wollen. Mit ihren vielen Bräuchen nehmen sie am Fest der Natur teil.

Die Noruz-Bräuche beginnen schon einige Tage vor dem Jahreswechsel und nach dem Beginn des Neuen Jahres dauern sie bis zum 13. des ersten Monats, der sich  Farwardin nennt, an.  Die Menschen lassen wie die Natur eine alte Phase hinter sich und treten in eine neue an.  Nach Trennung vom Leben im alten Jahr beginnen sie ein neues.  Dieses Fest wird mit vielen schönen Bräuchen begangen.

Es gibt genug Anlass zu feiern.  Die Schlaffheit und der Tod in der Natur  verfliegen und  die Neuschöpfung beginnt.  Die Menschen begehen dieses Fest 13 Tage lang und kehren dann wieder in den Alltag zurück. Vorher finden sie sich noch einmal in der Natur zu einem fröhlichen Zusammensein mit der Familie ein. 

Die Noruzbräuchen sind keine bedeutungslosen Riten. Es spielt sich ein innerer und äußerer Wandel ab, bei dem die unreinen, aus dem Dunkel herrührenden  Vorlieben für das Weltliche abgeworfen werden.  Mit der Erneuerung der Zeit und des Jahres  und der Neuwerdung in der Natur  öffnen sich die Tore zur erneuten Besinnung. Der  Mensch bereitet sich darauf vor, mit neuer Kraft im neuen Jahr  seine Aufgaben zu übernehmen und zu erfüllen. 

Seit Jahrhunderten wird der Noruzbrauch gepflegt, ungeachtet vom Auf und Ab der Geschichte.  Noruz ist ein schönes kulturelles Ereignis, dass mit seinen schönen Sitten Fröhlichkeit und Ansporn erweckt  und zu Beginn eines jeden Frühlings  jeden Iraner zu einem hoffnungsfrohen Fest herbeiruft. Von den zahlreichen Noruzbräuche sind einige bis heute erhalten geblieben und werden überall im Iran gepflegt,  auch in anderen Ländern. Wir wollen nun einmal den Bräuchen, die früher  zu Noruz üblich waren Aufmerksamkeit schenken.

Der Esfand ist der letzte Monat im alten Jahr, und in diesem Monat haben sich die Iraner schon in der Antike  durch ihre Bräuche auf das herannahende Neue Jahr, Noruz, vorbereitet - auf den Beginn des Frühlings.  Am 1. Esfand, dem ersten des letzten Wintermonats also,  fand ein Fest statt namens Aabsaalaan statt. Wie das Wort Aab (Wasser) in diesem Namen  schon andeutet,  ging es um Wasser. Es wurden der erneute Austritt von Quellen und das erneute Fließen von Bächen und Strömen von Wasserfällen gefeiert. Zu diesem Fest gehörten lustige Theaterspiele, die sich Kussehsawaari nannten (Haien-Ritt).  Am 10. Esfand folgte das nächste Fest am Ufer der Flüsse und am 19. Esfand   war das Noruz-e Rudha (das Neujahr der Flüsse) . An diesem Tag wurden die Quellen, Bäche und Qanatöffnungen  entschlammt und mit Rosenwasser besprengt. 

Der 20. Esfand wurde Goldaan-Tag genannt. Goldaan bedeutet Blumenvase oder Blumentopf. An diesem Tag wurden Blumen und Pflanzen und Bäume in die Erde eingesetzt. Am 26. Esfand, nur wenige Tage vor dem Neujahrsbeginn, ehrten die Iraner ihre Verstorbenen und am Vorabend zum letzten Mittwoch des alten Jahres, säuberten sie gründlich Haus, Garten und Wege. Zu diesem Tag gehörten wieder besondere fröhliche Bräuche. Natürlich war auch der letzte Wintertag ein festlicher Anlass. An diesem Tag wurden die Fruchtbarkeit und das Grüne der Natur besungen und fröhlich gefeiert. 

In der letzten Nacht des alten Jahres wurde in jedem Haus eine Leuchte angezündet –als Zeichen für das Licht und die Beständigkeit des Hauses und der Heimat.Auf den Flachdächern entfachte man ein kleines Feuer.  Wenn nun der Morgen des gesegneten Neujahres begann, war es auch zugleich der erste Frühlingstag. Er wurde als der  Tag der Geburt der Natur, des Aufgehens der Blüten und Knospen  und des Vogelgesanges gefeiert. Dieser Tag ist auch heute  für die Iraner ein großes Fest. Alle alten Bräuche im letzten Wintermonat, dem Esfand,   haben auf diesen Tag vorbereitet. Ein Tag , der spontan gefeiert wird und wurde.

Die Menschen im Alten Iran haben jedem Tag in einem Monat einen Namen gegeben. Der erste Frühlingstag, sprich der 1. Farwardin, hieß  Hormazd . Es fand ein großes Fest statt, an dem der Schöpfer der Natur gepriesen wurde. Alle feierten die ersten fünf Tage und daher wurden diese Tage Noruz Aameh (Noruz für alle) genannt. Aber ab dem 6. Farwardin  feierten nur noch die besonderen Leute (Chaas), d.h. die Vornehmen  und daher hieß dieser Teil des Noruzfestes Noruz Chaaseh . Wie auch immer: Das Noruzfest war und ist ein Freudenfest für alle.

Unsere Vorfahren glaubten, dass der Schöpfer die Welt in 6 Phasen erschaffen hat, wobei er in der  letzten Phase  den Menschen schuf. Für unsere Ahnen war der erste Frühlingstag der Tag, an dem der erste Mensch zur Welt gekommen ist. Daher war es für sie ein Tag, an dem man danken und fröhlich sein sollte.  Sie glaubten, dass die Seelen der Vorfahren und Edlen während des Neujahrsfestes  aus dem Reich der Verstorbenen auf die Welt zurückkommen, um ihre Lieben und Verwandten zu besuchen. Die Seelen der Verstorbenen würden erwarten,  dass man an ihrer Stelle den Armen spendet und Wohltaten begeht.  Daher speisten sie die Armen und taten gute Taten und beteten eifrig, damit sie dem Herrn danken und um die Seelen ihrer Verstorbenen zu erfreuen.

Der 13. Farwardin schließt das Noruzfest ab.  Die Menschen kommen ins Freie und versammeln sich in der ergrünten Natur.  Für diesen besonderen Tag werden wie für die anderen Noruz-Tage besondere Speisen zubereitet. Insbesondere  beliebt ist die Aasch-e Reschteh – eine Art Eintopf mit aromatischen Kräutern. Aber auch andere Speisen mit Kräutern sind willkommen.  Das Sabzeh,  welches auf dem Haft-Sin-Tuch (dem Festtuch mit den sieben „S“) gestanden hat und aus den grünen Sprossen von Weizen, Hirsekörnern und ähnlichem besteht, wird der Natur oder einem Fluss überlassen. 

 Früher galt im antiken Iran  der Aberglaube, dass die 13 Unglück bringen würde, und es am 13. des neuen Jahres besser sei, nicht zu Hause zu bleiben, sondern in der Natur zu verbringen.  Dieser Aberglaube ist natürlich veraltet.

Möglicherweise hat er damit zu, dass    die Sterndeuter meinten, dass zu jeder Geburt ein Stern in einem der zwölf Sternbilder gehört und das Schicksal des Menschen davon abhänge, in welchem  Sternbild sein Sterne gerade stehe.   Weil sie 12  Sternbilder zählten, war die 13, die nicht mehr dazu gehörte für sie ein Unglücksbringer.

In der Vergangenheit war es Sitte, dass Musikanten mit fröhlichen Liedern das Neue Jahr begrüßten.  Ihre Instrumente waren Blasinstrumente wie die Surna oder Surnai , die Karnai und Bugh (Blashorn) sowie Schlaginstrumene wie   Dohl – eine  zweifellige Röhrentrommel - und Tabl – Trommel. Das Wort Surnai setzt sich aus den Wörtern Nai –nämlich Flöte und dem Wort Sur – nämlich Fest und Gästeempfang zusammen.   Bugh und Karnai  waren ursprünglich Instrumente, in die zu Beginn eines Gefechtes oder anlässlich eines Unglücks  geblasen wurde. Sie gesellten sich jedoch langsam immer mehr zu den  anderen Blasinstrumenten der Frühlings- und Noruzmusik.  

In den alten Vierteln  von Städten erklingen heute manchmal noch die fröhlichen rhythmischen Noruz-Melodien  auf diesen Instrumenten und heißen Noruz und den Frühling willkommen.  All diese Bräuche machen den Winter darauf aufmerksam, dass es Zeit zum Gehen ist, denn der Frühling  ist gekommen und überall erwacht das Leben.

 

Auch in Ihren Herzen, liebe Hörerfreunde, möge immer Leben und Frohsinn sein und der Frühling möge auch für sie sein schönes Grün und seine Blütenpracht ausbreiten. 


11:35 - 30/03/2017    /    Nummer : 674739    /    Anzahl Zahl : 57







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